Ein Überblick:

Mainz gehört zu den ältesten Orten am Rhein. Es war das Tor in das mittlere Deutschland, ein Kreuzungspunkt uralter Handelsstraßen. Sein Name wird von dem lateinischen Mogontiacum abgeleitet und geht auf den keltischen Lichtgott Mogo zurück, der von den Römern mit Apollo gleichgesetzt wurde.

38 v. Chr. wurde vermutlich unter dem gallischen Statthalter Marcus Vispansius Agrippa neben einer keltischen Siedlung ein Feldlager auf der Hochfläche errichtet. Es galt die römischen Geländegewinne in Gallien zu schützen, weshalb die forderste Grenzlinie an den Rhein verlegt wurde. Gleichzeitig wurden von diesem Lager aus, das bald zwei Legionen beherbergen sollte, Vorstöße in das Germanische Reich bis hin zur Elbe unternommen.

Um 13 v.Chr. begann Drusus von dort seinen Feldzug nach Germanien. Seit etwa 10 n.Chr. war Mogontiacum Sitz des militärischen Oberbefehlshabers für Germania superior. 90 n.Chr. waren zwei Legionen im Heerlager auf dem Kästrich (von Castrum) stationiert. Am Rheinufer gab es einen Hafen, bei Weisenau ein Kohortenlager, hier war ein Reitertrupp stationiert.

Es ist davon auszugehen, daß neben den Legionen noch Auxiliartruppen existierten. In der Regel waren dies die Hilfstruppen zu Pferd, die Alae, und die zu Fuß, die Cohortes. Da für die gesamte Truppe auf dem Lagergelände nicht genügend Platz vorhanden war ist zu vermuten, daß die Auxiliartruppen außerhalb untergebracht waren, bekannt ist aber nur das Lager bei Weisenau.

Im Süden des Militärlagers lag die Zivilstadt, die Canabae. Dort siedelten sich Schmiede, Bronzegießer und Töpfer an. Produziert wurde zunächst für den militärischen Bedarf. Dadurch wurden die Handwerker und Händler allmählich zu reichen Leuten, die sich sogar ein Monument wie die Jupitersäule (60 n.Chr.) leisten konnten. In den Wirren des Bataveraufstandes (69-70 n. Chr.) ging dieses erste Mainz unter.

Unter Kaiser Vespasian, der die Lage wiederherstellte, wird das Lager aus Stein wieder aufgebaut. Es entstehen auch die ersten Großbauten, wie es das, in seinen Fragmenten noch erhaltene, spätrömische Stadttor zeigt (bis 79 n. Chr.). Unter Vespasian wird der Schwarzwald und Gebiete um den Neckar erobert. Unter Domitian wird die Mainmündung und die Wetterau dem römischen Reich einverleibt, dessen Grenzen nach Osten hin jetzt vom Limes gesichert werden. Dies ändert die strategische Bedeutung von Mogontiacum ganz erheblich.

Die Truppenstärke wurde auf eine Legion verringert. Die Provinz Germania superior wird gebildet, deren Verwaltungshauptstadt Mainz war. Von hier aus wurde das Gebiet von Andernach bis zum Genfer See verwaltet, sowohl zivil als auch militärisch. Seine erste Blütezeit erlebt Mainz im 2. und 3. Jahrhundert. In der Nähe des heutigen Südbahnhofs wurde in dieser Epoche ein Theater mit 16000 Plätzen erbaut.

Mainz muß eine große Anzahl von Tempeln besessen haben, wovon die gefundenen Weihealtäre zeugen. Seit der Mitte des 2. Jahrhunderts werden von der Truppe auch orientalische Kulte eingeführt, wie z.B. der Attis- oder Mithraskult. Mithras wurde gerne von den Soldaten verehrt, fand aber auch unter der zivilen Bevölkerung seine Anhänger. Vom 4. Jahrhundert an gibt es auch Hinweise auf den christlichen Brauch.

In der Mitte des 3. Jahrhunderts bricht der Limes unter dem Druck der allemannischen und fränkischen Angriffe zusammen. Auch das rechtsrheinische Grenzgebiet ging verloren, so daß Mainz wieder Grenzstadt wurde. Aufgrund dieser Entwicklung wurde die Siedlung ummauert.

Die Stadt ging dann an die Germanen verloren, wurde 357 wieder zurückgewonnen. Die Lage blieb jedoch beständig gefährlich. Von feindlichen Stämmen wurde Mainz immer wieder überfallen. 406, in der Silvesternacht, endet dann die Herrschaft der Römer in diesem Gebiet. Vandalen, Sueben und Alanen setzen über den Rhein und zerstören die Stadt, wobei tausende von Menschen ums Leben kommen. Zur Rheinüberquerung nutzten sie wahrscheinlich die erste, von den Römern errichtete Rheinbrücke.

Seit dem 1. Jahrhundert n.Chr. verband eine feste Rheinbrücke das Heerlager mit dem vorgelagerten, auf der rechten Rheinseite gelegenen Castellum Mattiacorum (Mainz Kastel). Es bleibt unverständlich, warum erst in der flavischen Zeit, unter Domitian in Zusammenhang mit den Chattenkriegen, ein fester Rheinübergang geschaffen wurde. Immerhin waren zuvor bereits bis zu 15000 Mann stationiert (unter Drusus, Germanicus, Calligula), die mit Hilfe von Flößen das gegenüberliegende Castellum erreichen mußten. Die Brücke bildete eine gerade Linie mit der Straße vom Römerlager und zum Castellum der anderen Rheinseite. Von dort führte die steinerne Straße durch den Ehrenbogen des Germanicus weit hinein in das germanische Reich.

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